Ich muss das mal loswerden. Hab die Geschichte schon angerissen, aber mir ist heute noch schlecht wenn ich daran denke.

Also. Umschulung abgelehnt. Stattdessen bekomme ich dieses Bewerbungscoaching. „Professionelle Unterstützung bei der Arbeitssuche.“ Klingt ja erstmal okay. Bis ich da hingehe.

Der Träger sitzt in einem Bürogebäude am Stadtrand. Außen grauer Beton, innen gelbes Neonlicht. Der Teppich klebt. Im Eingangsbereich hängt ein laminiertes Schild: „Bitte die Schuhe abklopfen.“ Darunter hat jemand mit Kuli geschrieben: „Bringt eh nix.“

Im Kursraum sitzen 12 Leute. Drei davon sind offensichtlich zum dritten oder vierten Mal hier. Die kennen die Trainerin beim Vornamen. Die Trainerin — Frau Irgendwas, vielleicht 50, sieht aus als hätte sie selbst vor kurzem noch auf der anderen Seite des Tischs gesessen — verteilt Arbeitsblätter. ARBEITSBLÄTTER. Wie in der achten Klasse.

Tag 1: „Wie schreibe ich ein Anschreiben?“ Ich sitze da mit meinem Ingenieursstudium und acht Jahren Berufserfahrung und mir wird erklärt, dass man den Empfänger korrekt adressieren soll.

Tag 2: „Ihre Stärken und Schwächen.“ Wir sollen auf Post-Its schreiben was wir gut können. Ein Typ schreibt: „Pünktlichkeit.“ Die Trainerin sagt: „Sehr gut!“ Ich will schreien.

Tag 3: Rollenspiel Vorstellungsgespräch. Die Trainerin spielt die Personalerin. Ihre Fragen klingen als hätte sie 2005 zum letzten Mal ein echtes Vorstellungsgespräch gesehen. „Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?“ Ich denke: Nicht hier.

Drei Wochen. Jeden Tag. 4.800 Euro hat das Jobcenter dafür bezahlt. Für Arbeitsblätter und Post-Its.

Und wisst ihr was das Schlimmste war? Nicht der Kurs. Sondern der Moment am letzten Tag, als die Trainerin zu mir kommt und leise sagt: „Herr [Name], ich weiß dass das für Sie Zeitverschwendung war. Tut mir leid. Aber ich brauch die Teilnehmer.“ Sie WEISS es. Alle wissen es. Und trotzdem läuft die Maschine weiter.

4.800 Euro. Dafür hätte ich fast die Hälfte meiner Umschulung bezahlen können.

Das ist kein Fehler im System. Das IST das System.

Musste raus. Sorry. Oder auch nicht sorry.

Marco

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