Mal ne ehrliche Frage an euch: Hat euch jemals irgendwer erklärt, wie man Widerspruch gegen einen Bescheid einlegt?

In der Schule nicht. Im Jobcenter nicht. Selbst im Internet findet man hauptsächlich Anwaltsseiten die einem sagen „Rufen Sie uns an“ (für 250 Euro die Stunde).

Dabei ist es euer RECHT. Und es ist einfacher als ihr denkt.

Die Basics:

  1. Frist: Ihr habt einen Monat ab Zustellung des Bescheids. EINEN MONAT. Nicht länger. Danach wird es kompliziert (nicht unmöglich, aber kompliziert). Also: Datum checken, Kalender stellen.
  2. Form: Schriftlich. Per Post, per Fax, persönlich abgeben mit Eingangsbestätigung. Ich empfehle: Einschreiben mit Rückschein. Ja, kostet ein paar Euro. Aber ihr habt den Beweis, dass es angekommen ist.
  3. Inhalt: Ihr müsst erstmal nur schreiben DASS ihr Widerspruch einlegt. Die Begründung könnt ihr nachreichen. Das ist wichtig: Wenn die Frist knapp wird, reicht ein Zweizeiler:

„Hiermit lege ich Widerspruch ein gegen den Bescheid vom [Datum], Aktenzeichen [Nummer]. Eine ausführliche Begründung reiche ich nach.“

Das reicht. Frist gewahrt. Durchatmen.

  1. Begründung: Hier wird es spannend. Und hier können wir uns gegenseitig helfen.

Was dieser Bereich sein soll:

Meine eigene Erfahrung:

Ich hab meinen ersten Widerspruch alleine geschrieben. Gegen die Ablehnung meiner Umschulung. Dreieinhalb Seiten. Habe jede Begründung der Ablehnung einzeln zerlegt, mit Verweisen auf SGB III. Hat mich zwei Abende gekostet.

Ergebnis: Teilstattgabe. Keine Umschulung, aber eine andere Weiterbildung die deutlich sinnvoller war als das ursprüngliche Bewerbungscoaching. Nicht perfekt. Aber besser. Und vor allem: Das Gefühl, nicht einfach alles hingenommen zu haben — unbezahlbar.

Rechnen wir mal nach: Über 40% aller Widersprüche gegen Jobcenter-Bescheide sind ganz oder teilweise erfolgreich. VIERZIG PROZENT. Das bedeutet: Fast die Hälfte aller Bescheide, gegen die Widerspruch eingelegt wird, sind fehlerhaft. Und jetzt denkt mal darüber nach, wie viele Leute gar keinen Widerspruch einlegen, weil sie nicht wissen wie oder weil sie Angst haben.

Genau. Deshalb sind wir hier.

Marco

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